L'Anse aux Meadows (2): Wie weiland Leif Erikson
Es empfiehlt sich übrigens recht vorsichtig zu fahren, denn die zahlreichen Elche lassen sich auch nicht von Mietwagen beeindrucken. Aber schnell fahren ist in Neufundland eh nicht angesagt. Denn zu oft wandern die Augen von der Straße aufs Meer hinaus, wo im späten Frühjahr Eisberge an der Küste entlang treiben oder der mächtige Blas eines Wals für unruhige Fahrweise sorgt.
Also alles das, was vor 1000 Jahren auch Leif Erikson und seine Mannen erlebt haben müssen, bevor sie das heutige Neufundland betraten. Eigentlich kaum vorstellbar, wie die Wikinger mit ihrem doch relativ kleinen Boot (dessen Replik man später sehen wird) tausende von Kilometern lang den Naturgewalten standhalten konnten. Leif Erikson hatte von Grönland aus eine Expedition in See stechen lassen. Ob er sich nun auf die Suche nach Holz oder einem verschollenen Kapitän machte, sei dahin gestellt.
Jedenfalls erreichten die – übrigens nicht gehörnten – Helmträger wahrscheinlich zuerst Baffinland und danach Labrador, das Leif Erikson Markland (Waldland) nannte. Erst zum Schluss seiner Reise mit einer Knorre – ein mit Vierecksegeln getakeltes hochseetaugliches Frachtschiff – fuhr er in die heutige Pistolet Bay in Neufundland ein.
Die Seefahrer waren von diesem Ort begeistert, weil es hier jede Menge Holz, Weideland und Lachsgewässer gab. Isländische und norwegische Sagas berichten, dass Erikson hier Häuser baute. Und „er gab dem Land den Namen Vinland, wegen der guten Dinge, die sie dort fanden.“ Dieses „Vinland“ sollte viele hundert Jahre später Generationen von Wissenschaftlern beschäftigen.
Denn als man ernsthaft mit der Suche nach diesem magischen Vinland begann, wusste zuerst niemand so genau, wo man eigentlich dieses Land vermuten sollte. Sicher war man sich nur darin, dass die Wikinger tatsächlich rund 500 Jahre vor Christoph Kolumbus Amerika erreicht hatten. In den nordischen Sagas ist von kurzen Segeldistanzen die Rede – für die einen Experten Hinweis, dass Leif Erikson hoch im Norden angelandet war. Andere Forscher dagegen meinten, „Vin“ leite sich von wilden Weinbeeren ab. Und die gab es weiter südlich in den heutigen New England-Staaten.






