"Dritte Welt" im Ojibway-Reservat von Pikangikum
Auf dem Weg zu einer der großen Industrienationen der Welt, hat Kanada viele Ureinwohner-Gemeinden in relativer Armut zurückgelassen. Aber sogar wenn man diesen schlechten Standard zugrunde legt, liegt das Ojibway-Reservat Pikangikum im nordwestlichen Ontario noch darunter. Ärmlicher geht es kaum noch, wie die 2300 Natives dort leben.
Es gibt nicht einmal genügend Häuser für die Bevölkerung, deren Zahl sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt hat. Im einigen der heruntergekommenen Häusern, deren kaputte Fenster man mit Sperrholzplatten zugenagelt hat, wohnen bis zu 18 Personen. Das einstöckige mit alten Schindeln gedeckte Schulhaus wurde 1986 für 250 Schüler gebaut, heute zwängen sich 780 Schüler in das Gebäude – vom Kindergarten bis zur zwölften Klasse. Notdürftige Klassenräume wurden in Trailern untergebracht, in der Bücherei und einem Abstellraum.
Die abgelegene Lage vieler Ureinwohner-Gemeinden führt dazu, dass sie oft durch das soziale Netz fallen. Pikangikum, 250 Kilometer nördlich von Kenora, ist so ein Beispiel – zu erreichen ausschließlich über Wasser oder aus der Luft; ausgenommen im Winter, wenn die „Eisstraßen“ gebaut werden. In dem Reservat kommen nun auch noch ganz besondere, eigene Probleme hinzu, die die Lage verschärfen.
Seit 2001 befindet sich das Reservat in einer Art Zustand der Vergessenheit. Damals entband die Regierung den Stammesrat von einigen Management-Aufgaben mit der Begründung, dass die Führer nicht in der Lage seien, die zunehmenden sozialen Probleme im Reservat in Angriff zu nehmen, zu lösen. Und seit dieser Zeit kommt es nicht nur den Stammesältesten so vor, als ob man ihren Platz einfach vergessen hätte.
Das Gesundheitsamt in Kenora hat sich nun gemeldet. Pikangikum wird dort auf die gleiche Ebene gehoben wie Davis Inlet. Das war jene Eingeborenen-Gemeinde in Neufundland und Labrador, das durch seinen horrenden Drogenmissbrauch und Selbstmorden unter Jugendlichen in den frühen 1990er Jahren weltweit zu trauriger Berühmtheit gelangte. Dr. Pete Sarsfield, Chef des Amtes, sprach in einem Interview mit der Tageszeitung „Globe and Mail“ davon, dass er 200 First Nations Gemeinden kenne – „doch diese ist eine der schlimmsten, die ich gesehen habe.“
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