Sie sind hier: KanadaNetpage
DeutschEnglishFrancais
7.2.2012 : 22:03 : +0100
West Canada Bike Tours
Reiseboerse Ehingen
WDCS, Whale and Dolphin Conservation Society gGmbH
Kanadanetpage: WDCS - Symbolische Patenschaft für einen Wal

"Dritte Welt" im Ojibway-Reservat von Pikangikum

Auf dem Weg zu einer der großen Industrienationen der Welt, hat Kanada viele Ureinwohner-Gemeinden in relativer Armut zurückgelassen. Aber sogar wenn man diesen schlechten Standard zugrunde legt, liegt das Ojibway-Reservat Pikangikum im nordwestlichen Ontario noch darunter. Ärmlicher geht es kaum noch, wie die 2300 Natives dort leben.

Ojibways am Earthday.<br>Foto: Ojibway Nation

Ojibways am Earthday.
Foto: Ojibway Nation

Es gibt nicht einmal genügend Häuser für die Bevölkerung, deren Zahl sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt hat. Im einigen der heruntergekommenen Häusern, deren kaputte Fenster man mit Sperrholzplatten zugenagelt hat, wohnen bis zu 18 Personen. Das einstöckige mit alten Schindeln gedeckte Schulhaus wurde 1986 für 250 Schüler gebaut, heute zwängen sich 780 Schüler in das Gebäude – vom Kindergarten bis zur zwölften Klasse. Notdürftige Klassenräume wurden in Trailern untergebracht, in der Bücherei und einem Abstellraum.

Die abgelegene Lage vieler Ureinwohner-Gemeinden führt dazu, dass sie oft durch das soziale Netz fallen. Pikangikum, 250 Kilometer nördlich von Kenora, ist so ein Beispiel – zu erreichen ausschließlich über Wasser oder aus der Luft; ausgenommen im Winter, wenn die „Eisstraßen“ gebaut werden. In dem Reservat kommen nun auch noch ganz besondere, eigene Probleme hinzu, die die Lage verschärfen.

Seit 2001 befindet sich das Reservat in einer Art Zustand der Vergessenheit. Damals entband die Regierung den Stammesrat von einigen Management-Aufgaben mit der Begründung, dass die Führer nicht in der Lage seien, die zunehmenden sozialen Probleme im Reservat in Angriff zu nehmen, zu lösen. Und seit dieser Zeit kommt es nicht nur den Stammesältesten so vor, als ob man ihren Platz einfach vergessen hätte.

Das Gesundheitsamt in Kenora hat sich nun gemeldet. Pikangikum wird dort auf die gleiche Ebene gehoben wie Davis Inlet. Das war jene Eingeborenen-Gemeinde in Neufundland und Labrador, das durch seinen horrenden Drogenmissbrauch und Selbstmorden unter Jugendlichen in den frühen 1990er Jahren weltweit zu trauriger Berühmtheit gelangte. Dr. Pete Sarsfield, Chef des Amtes, sprach in einem Interview mit der Tageszeitung „Globe and Mail“ davon, dass er 200 First Nations Gemeinden kenne – „doch diese ist eine der schlimmsten, die ich gesehen habe.“


Weitere Beiträge...

Donnerstag 01. Januar 1970
"Day of action" der Natives ging friedlich zu Ende

Beim “day of action” der kanadischen Ureinwohner am Freitag gab es keine gewaltsamen Auseinandersetzungen. Zwar machten Native-Gruppen überall im Land mit Demonstrationen und kleineren Aktionen auf die Armut, gesundheitliche und...

Donnerstag 01. Januar 1970
Paul Bley: einer der ganz großen Jazzpianisten

„Improvisation“, so meinte der kanadische Jazz-Pianist Paul Bley einmal, „ist Nahrung für das Hirn der Hörer.“ Und von dieser gibt es auf „Solo in Mondsee“, dem neuen Album des Pianisten, jede Menge. Bley, der dieses Jahr seinen...

Donnerstag 01. Januar 1970
Ein Außenseiter ohne Mountie-"Stallgeruch"

Nach dem jüngsten Untersuchungsbericht, der den inneren Zerfall der Mounties dokumentierte, scheint man nun in Ottawa die Nase von all den großen und kleinen Skandalen voll zu haben. Deshalb soll ein Mann von außen, militärischen...

Donnerstag 01. Januar 1970
Von Jamaika in den kanadischen Weinberg

Die Familie Marley. <br>Foto: Marleyfarm.com

Im malerischen Mount Newton Tal auf Vancouver Island weht der Geist der verstorbenen Reggae-Legende Bob Marley. Vor knapp 30 Jahren wanderte die Familie von Mark Marley, ein Neffe von Bob Marley, von Jamaika nach Kanada aus. Und...

Donnerstag 01. Januar 1970
Aufgepasst bei Vorstrafen wegen Verkehrsdelikten

Irene Abele-Pfnür

Während in Deutschland und auch in einigen anderen Ländern Verkehrsdelikte die mit Führerscheinentzug, Punkteeintrag beim Zentralstrafregister und mit Geldstrafen belegt werden nicht weiter ins Gewicht fallen, sind solche...