Das Eis schmilzt schneller als erwartet
Das ewige Eis des Nordpolarmeers, das bis jetzt auch den Sommer überstanden hat und das unverzichtbarer Lebensraum der Eisbären ist, gebe es fast gar nicht mehr. Zu dieser dramatischen Einschätzung gelang David Barber von der Universität von Manitoba. Eine der Folgen: immer öfter fressen Eisbären ihren eigenen Nachwuchs auf.
Die vor wenigen Tagen veröffentlichte Untersuchung Barbers ist neu. Denn bis jetzt waren Arktis-Forscher aufgrund von Satellitenbildern davon ausgegangen, dass das arktische Eis sich wieder etwas erholt und ausdehnt. David Barber hat nun festgestellt, dass das dicke, mehrjährige Eis verschwunden und durch eine dünne Eisschicht ersetzt worden ist.
Und diese dünne Eisschicht, so der Wissenschaftler, trage die Eisbären nicht mehr. Die weißen Riesen können laut Barber nur noch in einem kleinen Bereich leben, in dem es das mehrjährige Eis gebe. Barber, der von einer Expedition in der Beaufortsee zurückgekehrt ist, gegenüber kanadischen Medien: „Je weiter wir nach Norden kamen, desto weniger Eisbären gab es!“
Er brachte alarmierende Eindrücke von seiner Reise mit. So habe das Forschungsschiff das normalerweise bis zu zehn Meter dicke Eis ohne Mühen durchbrochen. Auch als man dachte, das Eis sei stabil und eine Forschungsgruppe aussteigen wollte, sei es auseinander gebrochen. David Barber: „Ich konnte zusehen, wie innerhalb von fünf Minuten das ganze mehrjährige Eis auseinanderbrach. Das Gebiet war rund 16 Kilometer groß.“
Laut Barber schmilzt das Eis mit großer Geschwindigkeit - 70 000 Quadratkilometer pro Jahr. Er macht eine einfache Rechnung auf: Früher habe das mehrjährige Eis bis zu 90 Prozent des Nordpolarmeeres bedeckt, erklärte Barber. Jetzt seien es noch 17 Prozent. Wo es früher zehn Meter dick war, sind es jetzt noch höchstens zwei Meter.






